Quartettsingen

Musikalisch gesehen Folge 24

Ein Quartett ist ein Ensemble, das aus vier Musikern besteht. Hierbei ist es erstmal nicht wichtig, welches Instrument sie spielen, es sollte aber selbstverständlich zu den anderen Instrumenten passen. In diesem Artikel soll es aber speziell über das singende Quartett gehen.

Ein wichtiger Punkt in einem Quartett ist, dass man plötzlich auf sich allein gestellt ist. Man hat nicht mehr die anderen in seiner Stimme, die einen beim Singen unterstützen. Man muss nun selbstständig singen können. Dazu gehört, dass man laut genug singt, nicht schief singt und hilfreich ist es, Noten lesen zu können. Man steht zwar nicht gänzlich allein vor dem Publikum, dennoch muss man seine Stimme solistisch vortragen, gemeinsam mit den anderen drei Sängern die dies ebenfalls tun sollten. Da hilft es nicht, wenn man scheu und schüchtern ist, weil wenn eine Stimme leiser ist, beziehungsweise aus der Balance fällt, klingen die Harmonien nicht mehr wie sie klingen sollten. Man muss jetzt allein stark und selbstbewusst sein. Allerdings, vorpreschen sollte man auch nicht. Es muss ein gutes Gleichgewicht in der Gemeinschaft leben. Die Gemeinschaft und das Abstimmen macht viele Aspekte des Klangs aus. Man muss gut auf die anderen drei hören. Hören wie laut die anderen singen, wie laut singe ich, denn es gibt eine klare Rangordnung im Quartett. Ganz oben in dieser Rangordnung steht die Melodie, meist der Sopran oder Tenor, je nach dem, mit welcher Besetzung wir es zu tun haben. Beispielsweise in einem Barbershopquartett, die bestehen meist aus vier Männern, hat der zweite Tenor immer die Melodie. Er hat die sogenannte Lead-Stimme. Auf die ist dann zu hören, wie das auch sonst bei der Melodie ist. Nach der Melodie kommt eigentlich immer der Bass, oder aber die tiefste Stimme solange sie nicht die Terz hat. Terzen in der Harmonie müssen sich zurückhalten. Man kann festhalten: oben und unten lauter, die Mitte eher zurückgehalten.

Wer bis hierhin richtig aufgepasst hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass bei vier Sängern gar kein Dirigent übrig bleibt. Wer gibt denn dann den Einsatz? Niemand so richtig. Man muss einfach – es ist schwieriger als man denkt – gut hören, wann die anderen einatmen, irgendwer gibt meistens dann doch einen kleinen Impuls und dann kann es losgehen.

Dann geht es an die Gestaltung des Stücks. Hier hat man als Quartett sehr viel mehr Freiheiten als ein Chor sie hat. So können Fermaten aber auch andere Absprachen und Abschlüsse ausführlicher gemacht werden, solange man die Spannung bis zum Schluss oder bis zum nächsten Akkord halten kann. Man muss hier natürlich ein bisschen gucken, wie man die Luft einteilt, weil man nicht einfach chorisch atmen kann, sondern meistens alle zusammen eine gute Stelle suchen müssen. Tipp: sollte vorher gut gesucht werden, spontan ist immer blöd. Aber die Stellen sind im Text oft schon gut durch Komata oder Satz­enden vorgegeben. Also allzu solistisch sollte es nicht werden – man steht nicht allein auf der Bühne –, aber solange man als Vierergruppe gut zusammen hält, man sich abspricht und aufeinander hört, hat man sehr viele Freiheiten.